(Fueled By Ramen)

Halleluja, wie die Zeit rast. A DAY TO REMEMBER sind jetzt auch schon 18 Jahre am Stizzle und veröffentlichen dieser Tage ihr siebtes Studioalbum "You're Welcome". Mit ihrem Mix aus Pop-Punk-Melodien in Verbindung mit der Brutalität des Metalcore, haben sie die Genre-Schublade "Easy-Core" mitverschuld...ähm...mitkreiert. Die Karriere lief nie einfach für die Truppe aus Ocala, Florida. Neben harten Rechtsstreitigkeiten mit Victory Records, mussten auch diverse Line-Up-Wechsel kompensiert werden. Fast fünf Jahre nach dem eher mittelmäßigen und fast schon in Vergessenheit geratenen "Bad Vibrations", haben es ADTR also trotz Pandemie geschafft eine neue Platte mit 14 Songs einzukloppen.

Erste Höreindrücke von vor zwei Jahren ließen die Fangemeinde ratlos und teils geschockt zurück, da A DAY TO REMEMBER den Weg des geringsten Widerstands zu gehen schienen und elektronische Spielereien, wie auch Radio-Pop-taugliche Sequenzen in ihre Songs einbauten, so dass der Eindruck entstehen konnte, sie würden sich dem Mainstream anbiedern, um die dicke Kohle einzufahren. Was bei Bring Me The Horizon klappt, ist ADTR nur recht und billig - so schien es. Und als 'Mindreader' ausgekoppelt wurde, war jegliche Hoffnung auf wütend-brutale Hits erstmal begraben, denn der belanglose Pop-Rocker dudelte eher nebenbei am Ohr vorbei ohne überhaupt wahrgenommen zu werden.

Deshalb hielt sich die Vorfreude in Grenzen - einhergehend mit einer geringen Erwartungshaltung an das neue Werk. Immer mit der Hoffnung, dass ATDR überraschen können. Klar müssen die Jungs nicht wie vor 10 Jahren agieren und haben alles Recht der Welt sich weiterzuentwickeln. 'Brick Wall' eröffnet standesgemäß mit eingängiger Melodie und steigert sich im weiteren Verlauf zu einem progressiv angehauchten Hardcore-Brecher, der Bock auf mehr macht - allerdings wird der erzeugte Druck mit dem bereits genannten 'Mindreader' etwas ausgebremst. 'Bloodsucker' könnte zu Beginn Fans der ersten Stunde verstören, da hier die volle R 'n B-Nummer gefahren wird, um mit catchy Background-Chören zumindest den Refrain härter einzuläuten. Gewöhnungsbedürftig, aber gar nicht schlecht umgesetzt.

Am liebsten würde ich über Songs wie das unsägliche 'F.Y.M.' den Mantel des Schweigens hüllen, aber es muss einfach mal ausgesprochen werden - selbst Maroon 5 bekommen solch käsige Lieder konsequenter und druckvoller auf Kette. Das ist schon sehr merkwürdig und geradezu bedauernswert. Richtig ärgerlich wird es im Mittelteil der Platte, wenn sich Songs wie 'High Diving', 'Looks Like Hell' oder 'Viva La Mexico' die glitschige Klinke in die Hand geben. Jegliche Power wurde getilgt und stattdessen in eine Produktion gesteckt, die Ecken abrundet und Kanten massiv schleift. A DAY TO REMEMBER sind im Grunde nicht mehr erkennbar, wenn nicht ab und an die Wucht vergangener Tage durchschimmern würde ('Degenerates' oder 'Permanent'), wobei das aber fast nach Alibi-Momenten klingt.

Die obligatorische Ballade ('Everything We Need') zum Ende darf natürlich nicht fehlen. Ich bin jedesmal froh, wenn der letzte Ton verklungen ist und "You 're Welcome" zuende ist. Immer mal wieder versuche ich den notwendigen Zugang zu finden, allerdings fühle ich wiederholt Ärger in mir aufsteigen, ob der Tatsache, dass sich eine ehemals unterhaltsame Band den Gesetzen des Business unterwirft und ein Produkt auf den Markt wirft, welches mit billigen Tricks die Klickzahlen der Streaming-Anbieter in die Höhe treiben soll. Nee, nee - lasst mal stecken liebe ADTR. Wenn ihr eure Authentizität wiedergefunden habt, bin ich der Erste, der Euch wieder in mein Leben lässt.

Album-VÖ: 05.03.2021