(Chunksaah Records)

Fünf Jahre nach dem hervorragenden "No Anchor"-Album gibt es endlich neue Musik von SHIP THIEVES in Form von "Irruption". Die Band um (Ex?-) Hot Water Music-Gitarrist Chris Wollard markiert damit ihr viertes Studiowerk. Aufgrund des einzigartigen Gesangstils von Mr. Wollard ist beim geneigten Fan natürlich immer die HWM-Referenz im Hinterkopf, wobei SHIP THIEVES neben den Punkrock-Roots gerne mit Americana-Elementen spielen und ihren Songs mehr Wärme zugestehen. Neben Wollard sind noch Mitglieder von Samiam und The Enablers Bestandteil der SHIP THIEVES, was die ganze Nummer in einem ungeheuer dichten Sound kulminieren lässt.

'The Embers Of Enlightenment' eröffnet das Album druckvoll mit einem phänomenalen Händchen für Eingängigkeit und Stringenz. Der Song drückt gut nach vorne, hat die Background-Chöre an der richtigen Stelle platziert und präsentiert somit einen fokussierten Punkrocker, der sofort ins Ohr geht und niemals nerven wird. Perfekter Start in ein spannendes Album. Im Anschluss folgt 'Race To Oblivion' der überhaupt nichts anderes macht und deswegen ein glückseliges Grinsen im Gesicht des Zuhörers provoziert. Unglaublich, wie man mit den limitierten Mitteln des Genres solche Hits schreiben und produzieren kann. SHIP THIEVES emanzipieren sich mit "Irruption" komplett von den prominenteren Gainesville-Vettern Hot Water Music und zeigen wie man mitreißende Punkrock-Songs komponieren kann, ohne sich beim Songwriting in Unzulänglichkeiten zu verzetteln.

Weiter geht es schwungvoll und prägnant mit 'Ghost Town' und 'Tangled Net'. Man hat den Eindruck, dass sich eine Menge bei Chris Wollard angestaut hat, was er uns nun in den kurzweiligen Songs hinrotzt und mit einem Gefühl der Befreiung einhergeht. Selten habe ich in den Projekten von ihm soviel Energie gespürt, wie bei diesem fulminanten Album. In der Mitte von "Irruption" ist der nächste Gänshaut-Verursacher anzutreffen - 'Hercules Stomp'. Was ein wahnsinniger Hit! Boah.

Die Gitarren bei 'He Lost His Head', der anderthalbminütige Parforce-Ritt '(I Don't Wanna) Face The Dog' oder der melancholische Schluß mit 'Lurking Strain'. Nicht ein Song, nicht mal eine Sekunde auf "Irruption" ist überflüssig.

SHIP THIEVES haben mit dieser Platte ihr Meisterwerk abgeliefert und dürften in den Jahresbestenlisten der Genre-Fans eine Top-Platzierung einfahren. Bei mir vermutlich mindestens unter den ersten drei.

Album-VÖ: 12.03.2021